|
Mögliches Vorhaben
Der Einsatz knochenharter Körperarbeit ist charakterisch für
die Videoarbeiten Chantal Michels. In Mögliches Vorhaben holt
sie unermüdlich Anlauf und rennt gegen ein und dieselbe Betonwand.
Die Künstlerin steigert dabei kontinuierlich ihr Tempo und
damit die Wucht ihres Aufpralls. Ihre nackten Füsse und Hände
klatschen immer schneller und höher an die Wand. Dort hinterlassen
sie hand- und fussmalerische Schmutzspuren. Für ihr absurdes
Tun im rohen und nackten Bunker trägt Chantal Michel ein bezauberndes,
bodenlanges Taftkleid. In gänzlicher Abgeschiedenheit ist eine
Soiree der besonderen Art angesagt: exquisite Faltenwürfe und
unkontrollierte Agressivität vereinen sich zum Schauspiel eines
brutalen Ringens mit der Wand. Vor Erschöpfung sinkt die Furie
schliesslich zu Boden und resigniert vor dem Leerlauf. Chantal Michel
macht auf diese Weise das Aufzeigen von Widerständen im physischen
wie psychischen Bereich zum Ausgangspunkt ihrer künstlerischen
Strategie. Die manisch-repetitive Wiederholung ihres offensichtlich
erfolglosen Ansinnens wirkt befremdend und vertraut zugleich. Indem
sie allegorisch gegen eine Wand rennt, veranschaulicht die Künstlerin
effizient die Absurdität mental und somatisch unvereinbarer
Intentionen. Die Manifestation physischer Erschöpfung und psychischer
Resignation hingegen haben Alltagsqualität. Das assoziative
Zusammenbringen dieser Komponenten macht dieses Video Chantal Michels
zum kritischen und irritierenden Oeuvre, das zudem durch die zelebrierte
Ästhetik der Künstlerin fasziniert.
Text: Claire Schnyder Lüdi
5'30 Min. - 1998
|