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Schwanenbraut
Eine weisse
Blüte entfaltet sich zum langhalsigen Wasservogel und weiter
zum vergnügten Kleinkind: ein weißes tulpenförmiges Kleid
inspirierte Chantal Michel zu Schwanenbraut. Am oberen Bildrand
situiert, baumeln Beine und Arme von einem zunächst kopflosen,
nicht definierbaren Ding. Das lockere Spiel mit den Extremitäten
nimmt einen unberechenbaren Fortgang. Mit Pflanzen, Tieren und Kindern
assoziierte Seins- und Verhaltensmuster lösen einander ab.
Selbstgenügsam beschäftigt sich die scheinbar an der Decke
haftende, hybride Kreatur nur mit ihrem Körper, mutiert von
der Seerose zum Schwan und schließlich zur Nymphe. Nebst dem Reiz
das szenische Geschehen zu verfolgen, provoziert Schwanenbraut ein
bewusst räumliches Sehen respektive Denken. Denn die Einordnung
dessen, was oben und unten ist oder geschieht, kippt immer wieder.
Die weißen Plastikblüten am vermeintlichen Fußboden und die
Einstellung der Kamera sind trügerisch. Das Verwandlungsspiel
der Figur verlockt zur Aufgabe des analytischen Raumdenkens, währenddem
die Inszenierung dieses kontinuierlich herausfordert. Zur Ebene
der zeitlichen Veränderung der Bilder gesellt sich dadurch
eine explizit wahrnehmungs- spezifische Dimension. In ihrem Atelier
sich selbst überlassen, arbeitet Chantal Michel prinzipiell
mit minimalsten Requisiten: für ihre Kunst setzt sie nicht
mehr als ihre Kleidersammlung und ihren Körper ein. Was resultiert
ist eine Art Zeitvertreib oder Zerstreuung, eine Zuwendung zum Phantastischen
und Amüsement gepaart mit künstlerischer Intention. Kunst
bestehend aus Divertissements eine ästhetische Taktik,
die Chantal Michel auf der Basis des realen Künstleralltags
inszeniert und deshalb "sachkundig" beherrscht.
Text: Claire
Schnyder Lüdi
12'30 Min. - ohne Ton - 1998
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