Aus
nahen und fernen Gärten
"Mit ihrer anspielungsreichen Opposition von natürlichen
und künstlichen Pflanzen sowie den auf mehreren Monitoren zeitlich
versetzt sich wiederholenden somnambulen Bewegungen eines menschlichen
Gewächses aus Bein und Rock lässt Chantal Michel Facetten
des Gegeneinanders von Kunst und Natur sichtbar werden. Kurios ragen
die bestrumpften Beine in die Luft, während der Rock als grüne
Kreppmanschette den von ihr umschlossenen Körper zum Topf werden
lässt und zugleich ihren Unterleib entblösst."
Frankfurter Allgemeine, Martin Engler
Im über 15 Minuten dauernden Handstand verwandelt sich die
Künstlerin im Video Aus nahen und fernen Gärten zum Fabelwesen.
Ein bauschiger grüner Rock verdeckt den Oberkörper der
Künstlerin, so dass lediglich ihre Beine sichtbar bleiben.
Umgeben von Vogelgezwitscher und dem fernen Läuten von Kirchenglocken
bewegen sich diese rhythmisch im Dialog mit dem Rufen eines Grauspechts.
Vor dem neutralen Hintergrund bildet sich durch das Wechselspiel
der Beine ein eigenes geometrisches Formenvokabular. Die Künstlerin
mutiert zum gestikulierenden Paradiesvogel im ordentlich gepflegten
Garten, der durch das symmetrisch konzipierte Videobild und die
rahmenden Buchsbäumchen angedeutet wird. Den Faden ihrer Auseinandersetzung
mit den Materialien Körper und Kleid hat Chantal Michel für
dieses Video im Bezugsrahmen der Natur weitergesponnen. Mit einfachsten
Manövern gelingt ihr durch eine Reduktion der Körper-
respektive Bildersprache die Abstraktion vom menschlichen Wesen
zum Zwischending von Pflanze und Tier. Mit dieser Skurrilität
entzieht Chantal Michel sich nicht nur der physikalischen Realität,
sondern sie lockt die Zuschauer in einen künstlerischen Hinterhalt:
dort wird die Wirklichkeit für kurze Zeit diktiert von imaginären
Wesen aus nahen und fernen Gärten.
Text: Claire Schnyder Lüdi
30 Min. - 1998
wird auch als Installation gezeigt
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